Weitere Verbesserung der Behandlungsqualität
In guten Verträgen zur hausarztzentrierten Versorgung (HZV) wird die Behandlungsqualität in der Hausarztpraxis ständig verbessert. Eine Mindestausstattung, etwa Blutzucker-Messgerät und EKG, gehören in jede teilnehmende Praxis. Wichtig ist auch ein sogenanntes Qualitätsmanagement, mit dem die Arbeitsabläufe in der Praxis ständig überprüft und verbessert werden. Der Deutsche Hausärzteverband legt auch Wert darauf, dass die Praxen nach dem VERAH®-Konzept eine qualifizierte Assistentin für die strukturierte und hausärztlich koordinierte Behandlung chronisch kranker Patienten ausbilden. Die teilnehmenden Ärzte werden in HZV-Verträgen zudem verpflichtet, sich in typisch hausärztlichen Versorgungsbereichen fortzubilden, zum Beispiel in der Geriatrie oder der Schmerztherapie.
Verbesserter Service
Mit der Teilnahme an der HZV, wie sie der Hausärzteverband unterstützt, bietet der Hausarzt seinen Patienten einen noch besseren Service in der Praxis an als bisher. Dabei sind die einzelnen Vorteile von der jeweiligen Vertragsgestaltung im Detail abhängig. So wird zum Beispiel teilnehmenden Versicherten im AOK-HausarztProgramm in Baden-Württemberg eine Abendsprechstunde bis 20 Uhr angeboten. Auf Wunsch werden Termine beim Facharzt direkt von den Mitarbeiterinnen der Hausarztpraxis vereinbart. Zu den Extra-Services gehört auch eine erweiterte allgemeine Gesundheitsuntersuchung, die jedes Jahr in Anspruch genommen werden kann.
Finanzielle Vorteile
Neben der verbesserten Qualität können gesetzlich Versicherte auch bares Geld sparen, wenn sie sich für eine HZV entscheiden. Dabei liegt es im Ermessen der Krankenkasse, wie attraktiv sie die Teilnahme machen will. So hat die AOK Baden-Württemberg ihre teilnehmenden Versicherten von der Zuzahlung bei Medikamenten befreit, sofern sie mit deren Pharmaherstellern Rabattverträge geschlossen hat. Gerade chronisch Kranke, die viele Medikamente brauchen, profitieren von dieser Regelung. Die AOK Bayern geht einen anderen Weg: Wer an ihrer HZV teilnimmt, muss die Praxisgebühr nur noch einmal im Jahr bezahlen statt in jedem Quartal.
Stärkung der „sprechenden Medizin“
Der Papierkrieg ist in den deutschen Arztpraxen seit Jahrzehnten immer belastender geworden. Im „alten System“ der Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) verbringt der Hausarzt einen enormen Teil seiner Arbeitszeit mit Formularen und Bürokratie – Zeit, die er eigentlich seinen Patienten widmen könnte. Zudem wird das Honorar nach hochkomplizierten Regeln verteilt, die oft dazu führen, dass Ärzte bestimmte Leistungen vernachlässigen müssen, wenn sie ihre Praxis noch wirtschaftlich betreiben wollen. Beste Beispiele sind die Hausbesuche und die wichtigen Patientengespräche, die stark unterfinanziert sind. In einem guten HZV-Vertrag können sich die Kasse und die Ärzte von dem alten KV-System befreien und eigene, einfachere Honorarregeln festlegen. So ist beispielsweise eine Vergütungsstruktur, die stärker auf Pauschalen als auf Einzelkennziffern beruht, gerade für die hausärztliche Tätigkeit sinnvoller. So hat der Arzt unter dem Strich mehr Zeit für seine Patienten, da er weniger Zeit mit einer aufwendigen Abrechnung verbringen muss.
Verbesserung des Systems
Vielleicht wird es der einzelne Patient nicht sofort merken, aber die HZV verbessert das Gesundheitswesen auch ganz allgemein. Das fängt auf kleinster Ebene an: Wenn alle Behandlungsergebnisse von Fachärzten und Krankenhäusern beim Hausarzt zusammenlaufen, können belastende Doppeluntersuchungen vermieden werden, auch unerwünschte Wechselwirkungen verschiedener Medikamente werden sofort erkannt. Darüber hinaus ist die HZV mit ihren höheren Honoraren momentan die einzige Möglichkeit, die wohnortnahe Basisversorgung überhaupt aufrechtzuerhalten. Im bisher vorherrschenden KV-System finden Hausärzte, die heute in den Ruhestand gehen, oft schon keinen Nachfolger mehr – weil junge Ärzte im Ausland oder in der Klinik eher ein finanzielles Auskommen finden. Darauf weisen auch die „Gesundheitsweisen“, der Sachverständigenrat der Bundesregierung, in ihrem Sondergutachten von Anfang 2009 hin: Um die Versorgung auf dem angestrebten Niveau zu bewahren, bedarf es einer „umfassenden Förderung des hausärztlichen Berufes“. Wer den vertrauten Hausarzt in der Nähe behalten möchte, der sollte also auf die HZV setzen.

